Fürther Fabriken

Bilder meiner alten (leider nie fertig gestellten) Anlage. Einen Baubericht finden Sie im Eisenbahn Journal April 2011.


An dieser Stelle möchte ich meine mittlerweile fast fertige Modellbahn "Hanulingen" vorstellen

 

GRUNDSÄTZLICHE ÜBERLEGUNGEN

Nach einem Umzug stand ich vor der Wahl, die alte jedoch nicht fertig gestellte Anlage den neuen Räumlichkeiten anzupassen, oder komplett von vorne zu beginnen. Ich entschied mich für den Neuanfang.

Der zur Verfügung stehende Raum ist mit 4m x 2,4m wieder nicht gerade üppig und muss auch noch als Arbeitszimmer zur Herstellung meiner Modelle dienen. Bereits bei der Wohnungssuche habe ich darauf geachtet, dass er dem Vorgängerraum möglichst ähnelt, denn ich wollte wenigstens das Betriebskonzept der alten Anlage übernehmen. Tür und Fenster auf den Schmalseiten liegen sich gegenüber.

 

Auf der rechten Seite befindet sich der Landschaftsteil, während auf der linken Seite unten der Schattenbahnhof und oben der Stadtteil untergebracht ist. Die Schienenoberkante ist bei 150cm, es bleibt also darunter noch genug Platz für Arbeitsplatte und Regale. Verbunden werden beide Anlagenteile mit nicht durchgestalteten herausnehmbaren Stücken. Diese Teile werden nur beim Betrieb eingesetzt. Tür und Fenster bleiben somit die meiste Zeit frei zugänglich. Außerdem entsteht hierdurch eine optische Trennung zwischen dem ländlich geprägten rechten und dem von Gewerbe und Stadthäusern beherrschten linken Anlagenteil.

Den Gleisplan habe ich bewusst so simpel wie möglich gehalten: Ein einfaches Oval mit abzweigender Nebenstrecke, welche in mehreren Gleisanschlüssen endet. Trotzdem ist dieses Konzept meiner Meinung nach nicht mit dem berüchtigten “Idiotenkreis” vieler Kompaktanlagen zu vergleichen, denn es kommt immer darauf an, wie man den Betrieb gestaltet. Dazu später mehr.

Nach einigen Vorgängeranlagen habe ich mittlerweile eine klare Vorstellung, was meine Modellbahn “können muss” und was nicht. In erster Linie will ich meine Züge auf freier Strecke durch die Landschaft fahren sehen, und zwar immer nur einen auf einmal. Einen Bahnhof brauche ich nicht unbedingt. Wichtiger sind mir -zumindest im Landschaftsteil- größtmögliche Radien mit Blickrichtung auf die Innenseite des Gleisbogens und dem Vorbild entsprechende Weichen. Hier wird wohl "Mein Gleis" von Weinert zum Zuge kommen. Eine Karikatur in Form eines Schweizer Käses mit engen Radien und vielen Tunnels, nur um die zig Fach verschlungenen Strecken einiger Maßen zu tarnen, einen viel zu kurzen Bahnhof mit steilen Spielzeugweichen, garniert mit einigen Kitschfachwerkhäuschen will ich jedenfalls nicht! Der Anlagenteil soll so weit wie möglich wirklich so aussehen, als ob er mit dem Spaten aus einer realen Landschaft ausgestochen wäre. Einziger Kompromiss sind die Gleisradien. Die mindestens 180 Meter vom Vorbild (wohlgemerkt bei Rangiergleisen, auf freier Strecke eher 300-500m) sind bei der Zimmergröße einfach nicht zu machen, wenn man die Strecke noch um die Kurve bekommen will. 120cm sind gerade noch machbar und weil immer nur der Innenbogen im Blickfeld ist, fällt das nicht weiter negativ auf. Ganz aufs Rangieren will ich trotzdem nicht verzichten. Der zuerst ins Auge gefasste Nebenbahn Endbahnhof ist auf der linken Seite nicht maßstäblich unterzubringen, vom Großstadtbahnhof ganz zu schweigen. Ein bisschen Stadt soll es aber trotzdem sein. Ich entschied mich daher für ein mittelstädtisches Wohngebiet mit einigen Gewerbebetrieben die einen Gleisanschluss besitzen. Hier existiert momentan noch keine genaue Planung, ich will als erstes den Landschaftsteil fertig stellen. Und noch einen nicht zu unterschätzenden Vorteil bietet das von mir gewählte Konzept: Alle Gleise sind problemlos erreichbar. Was habe ich schon geflucht, wenn eine Lok mal wieder gerade in einem Tunnel stehengeblieben ist. Die Gleise dort sauber zu halten ist oft eher Glücksache, wenn nicht gar nur mit zweifelhaften Lösungen wie Reinigungswagen oder Ultraschallgeräten möglich. Nein, so etwas werde ich mir nicht mehr antun.

PLANUNG (IRRUNGEN, WIRRUNGEN)

Grundsätzliches zum Thema Planung habe ich schon im Baubericht eines Dioramas dargestellt (erschienen im Eisenbahn-Journal Mai 2002). Ich werde hier trotzdem noch einmal ausführlich auf dieses wichtige Thema eingehen.

Wohl jeder der eine Anlage baut, wird sich vorher einen -mehr oder weniger detaillierten- Plan zurecht legen. Hier gibt es zwei unterschiedliche Vorgehensweisen: Bei der einen wird die Ausstattung vom Gleisplan diktiert. Bei der anderen muss sich der Gleisplan den vorher festgelegten Kriterien bezüglich Landschaft und Gebäuden unterordnen. Der Betriebsbahner wird wohl versuchen, den vorhandenen Raum möglichst effektiv für die Ausstattung mit Gleisen und Weichen zu nutzen. Die Landschaft wird dann sozusagen drum herum geplant. Der Dioramenbauer geht den umgekehrten Weg. In das geistig bereits vorhandene Landschaftsmotiv wird ein Gleisplan integriert, der oft nur aus einem einzigen Gleis besteht das irgendwo beginnt und am Dioramenrand einfach so endet. Modellzüge werden hier wohl nie fahren. Am schwersten hat es der, der wie ich beides will: die Züge sollen durch eine perfekt gestaltete Landschaft rollen. Hier bewundere ich alle Kollegen, die in der Lage sind noch vor Baubeginn einen bis ins kleinste ausgefeilten Plan zu erstellen, oft noch mit einer künstlerisch gezeichneten und kolorierten Ansicht der fertigen Anlage. Was danach folgt ist nur noch Arbeit in Form von Gebäude bauen, Gleise verlegen und Landschaft begrünen. Ich geb´s zu: da fehlt mir das Talent. Aber selbst wenn ich es könnte, würde ich es nicht tun. Ein gezeichneter Plan ist immer zweidimensional und oft musste ich feststellen, dass die Wirkung gerade der Gebäude wenn sie erst einmal aufgestellt sind, eine ganz andere ist wie geplant. Ich kann das nur schwer in Worte fassen, hier geht es mehr ums Ästhetische. Jeder Mensch reagiert auf das was er sieht anders. Der eine gerät beim Anblick einer historischen Altstadt regelrecht ins Schwärmen, für den anderen ist es nur eine Ansammlung von alten Bruchbuden, die man am besten abreißt und durch komfortable Neubauten ersetzt. Ich weiß nicht ob es nur mir so geht, aber fast alle nach 1940 gebauten Gebäude sind für mich nur geschmacklose Betonklötze, von einigen Ausnahmen der 1950er Jahre einmal abgesehen. Zwar komfortabel und zweckmäßig, aber ästhetisch eine echte Zumutung. Ich kenne nicht einen Fall, bei dem ein neu gebautes Gebäude auch nur annähernd an den Charme und die Ausstrahlung seines Vorgängers heranreicht. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Wert früher auch bei reinen Zweckbauten wie Scheunen oder Fabrikhallen auf harmonische Proportionen gelegt wurde. Ja, auf die Proportionen kommt es an, und auf die Größe und Anzahl der Fenster und ihre Anordnung in der Fassade. Nicht so sehr auf das verwendete Baumaterial, ob Sandstein, Klinker oder Fachwerk, etc. Nun ist nicht alles automatisch schön was alt ist, auch früher gab es schon unsäglichen Kitsch, aber diese (zugegeben sehr subjektiven) Überlegungen haben unmittelbare Auswirkung auf die Planung einer Modellbahn: nämlich auf die Wahl der dargestellten Epoche. Die oben dargestellten Überlegungen grenzen den Zeitraum, in dem meine Anlage “spielen” soll, eigentlich schon ein auf die Zeit vor 1940. Aber auch Psychologisches spielt bei der Epochenwahl durchaus eine Rolle, bei mir jedenfalls. Irgend wie möchte ich mich auch ein wenig mit der dargestellten Zeitepoche identifizieren können. Ein bisschen Heile Welt muss einfach sein, der Alltag ist schon schlimm genug. Ich will es hier aber auch nicht übertreiben, die Gefahr ins romantisch-kitschige abzudriften ist groß. Auch bin ich mir bewusst, dass es die “Gute alte Zeit” in Wirklichkeit nie gegeben hat, egal welche Epoche man dafür hält. Im Großen und Ganzen fühle ich mich im 21. Jahrhundert doch recht wohl. Hier geht es ja auch nicht ums reale Leben, sondern um ein Hobby das Freude bereiten soll. Freude bereitet mir nicht nur der Anblick alter Häuser, sondern auch alte Technik wie Autos und Eisenbahn. Bei den Zügen faszinieren mich vor allem die der 1930er Jahre, bei den Autos mehr die der 50er. Nun liegen aber zwischen diesen Jahrzehnten leider einige Jahre Diktatur und Krieg. Lokomotiven und Wagons haben diese Jahre trotz großer Verluste doch noch einiger Maßen gut überstanden, von den alten Gebäuden ist nach dem Krieg aber oft nicht mehr viel übrig geblieben. Die Lösung bietet die Flucht aufs Land, hier waren die Kriegsschäden geringer. Oft hat erst die Modernisierungswelle der 1960er Jahre dem gewachsenen Ortsbild den Garaus gemacht. Schon ein einziger Neubau kann ein sonst gut erhaltenes Ensemble optisch zerstören. Ich entschied mich also für das Jahr 1959. Hier gab es auf dem Land noch unverschandelte Dörfer und Kleinstädte. Außerdem kann ich auch mal einen Epoche 2 Zug durchfahren lassen, ohne dass es zu sehr auffällt. Das wird aber die Ausnahme bleiben, denn ich habe mir vorgenommen, in allen Details streng das Jahr 1959 einzuhalten, und zwar den 28. Mai. Welche Ausmaße das annehmen kann, werde ich später noch darstellen. Ich habe diesen Tag gewählt weil er in Bayern ein Feiertag (Fronleichnam) war, und zwar nur in den katholischen Landkreisen. Somit habe ich die perfekte "Ausrede" warum einerseits fleißig gearbeitet und nebenan im Biergarten ebenso fleißig gebechert wird.

VORBILD (ZEIT UND RAUM)

Doch nun zum (gedachten) Vorbild meiner Bahn, denn alles was später darauf zu sehen sein wird muss auch wohl begründet sein. Nicht nur die Zeit spielt eine Rolle, sondern auch der Raum, also die Gegend in der die Anlage “spielt”. Man sollte für alles Dargestellte eine plausible Erklärung parat haben. Hier wird bei vielen Anlagen leider am schlimmsten gesündigt. Noch am leichtesten hat es derjenige, der eine konkrete Vorbildsituation nachbaut. Alle anderen haben es da schwerer, von Ignoranten, die Schwarzwaldhäuser neben preußische Empfangsgebäude stellen, mal abgesehen. Der regionale Baustil unterschied sich manchmal recht deutlich (z. B bei den erwähnten Schwarzwaldhäusern), oft jedoch nur in Nuancen von dem der Nachbarregion. Die Vergangenheitsform habe ich deshalb gewählt, weil es heute weltweit eigentlich nur noch einen Baustil gibt: nämlich den aus Beton und Glas. Früher war das aber anders. Auf meiner Modellbahn möchte ich die Züge durch meine fränkische Heimat rollen sehen. Aber auch hier gibt es durchaus Unterschiede. Deshalb werde ich konkreter und grenze den Bereich ein in die Umgebung meines Wohnorts Nürnberg. Weil aber auch hier nicht alles gleich ist, noch konkreter um das Gebiet, welches zur alten Reichsstadt Nürnberg vor 1806 gehörte. Ein konkretes Vorbild zum Nachbauen habe ich nicht gefunden, trotzdem soll alles passen (ja ich geb´s zu, es artet aus in Nieten- bzw. Fachwerkbalken- Zählerei). In Nürnberg gab es bis vor kurzen eine Ringbahn, welche die einzelnen Bahnhöfe verbindet. Sie dient auch teilweise als Verbindung der die Stadt kreuzenden Hauptstrecken. Zahlreiche Gleisanschlüsse und Industriebahnen zweigen von ihr ab. An dieser Ringbahn liegt im Tal der Pegnitz das fiktive Dorf Hanulingen. Unweit der Ortschaft beginnen bereits die Ausläufer der Hersbrucker Alb. Von hier zweigt eine Stichstrecke ab, die ins nahe Stadtgebiet von Nürnberg führt und in unzähligen Gleisanschlüssen endet. Natürlich ist die Hersbrucker Schweiz in Wirklichkeit über 20 km von Nürnberg entfernt, die Idee mit der real existierenden Ringbahn dient aber nur als Ausrede, um entsprechenden Bahnbetrieb machen zu können. Ohne diese Notwendigkeit könnte es sich hier auch nur um ein gewöhnliches Dorf im Nürnberger Umland handeln, das an einer Bahnstrecke liegt.

BETRIEB

Ein Betrieb nach Fahrplan könnte theoretisch stattfinden, aber diese starre Vorgabe langweilt mich. Ich möchte die Züge nach Lust und Laune zusammenstellen und wie es mir gerade gefällt auf die Strecke schicken. Sehr viel Wert lege ich aber darauf, dass die einzelnen Züge auch in genau dieser Zusammenstellung hier gefahren sein könnten. Es werden nur Lokomotivbaureihen eingesetzt, die entweder in Nürnberg 1959 stationiert waren, oder zumindest das Stadtgebiet durchfahren haben. Die Wagons die für die Gleisanschlüsse bestimmt sind, werden im Schattenbahnhof zusammengestellt. Hier können die Loks der durchfahrenden Züge auch umsetzten und Kopf machen, damit sie im Landschaftsteil nicht immer aus der selben Richtung auftauchen. Schlepptenderlokomotiven drehe ich dann eben von Hand, die Freiheit nehm ich mir. Der große Vorteil des Themas Ringbahn ist, dass ich vom Schnellzug bis zur Rangiereinheit so ziemlich alles einsetzen kann, ohne in Erklärungsnot zu kommen. Umgeleitet wird wegen einer Baustelle immer mal, und dann ist hier selbst eine 01 nicht fehl am Platz.

BAU

Der Unterbau besteht aus 10cm hohen Sperrholzkästen, die mit Dübeln an der Wand befestigt sind. Nach vorne hin werden sie von Holzlatten gestützt. Auf diese Kästen habe ich Hartfaserplatten geleimt. 4cm starke Styroporplatten bilden die Ebene 0, befestigt wurden sie mit doppelseitigen Klebeband.

Für den Hintergrund verwendete ich 75cm hohe Feinmakulatur, erhältlich im Baumarkt auf Rollen zu 20m.

Blau grundiert mit einigen nass in nass eingearbeiteten Schlieren, sieht der Hintergrund schon ganz passabel aus. Vervollständigt wird die Kulisse später durch aufgeklebte Landschaftskulissenteile.

Als nächstes markierte ich den späteren Gleisverlauf, der die einzige feststehende Konstante ist. An ihm wird nichts mehr geändert. Alles andere war zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend offen.

Auch die genaue Lage des Flusses stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Hätte ich das Styropor gleich auf die Hartfaserplatten geleimt, wären sie im Bereich des Flussbettes kaum rückstandfrei zu entfernen gewesen. Hier muss ich noch mal auf das Thema Planung zurückkommen. Wo es geht, vermeide ich feste Verbindungen und Materialien die sich später nicht mehr verändern lassen. Befestigt wird alles erst ganz zum Schluss. Zwar schwirren durch meinen Kopf ständig irgend welche Szenen die ich gerne darstellen würde, aber ob sie auch zu realisieren sind, muss ich erst ausprobieren. Wie bereits erwähnt, fehlt mir das Talent eine Szene so weit im Kopf zu planen, dass ich sie nur noch skizzieren und bauen muss. Erst durch ausführliche Stellproben mit bereits vorhandenen Gebäudemodellen oder Pappschachteln kann ich feststellen, wie alles später aussehen wird. Es sind einfach zu viele Faktoren die hier einfließen, um sie bereits in Gedanken zurechtzurücken. Manchmal stelle erst hier fest, dass beispielsweise ein Gebäude die ganze Szene optisch erdrückt, oder einfach nur der Platz nicht ausrecht. Auch die Geländeerhebungen habe ich auf diese Weise ermittelt, wobei sie auf der linken Seite des Landschaftsteils immer noch nicht endgültig festgelegt sind.

Zurück zum Bau. Nach dem Ermitteln der genauen Lage, wurde der Fluss einfach aus dem Styropor ausgeschnitten. Die Uferböschung wird erst später gestaltet. Als nächstes habe ich die Gleisbettung der Hauptstrecke aufgeklebt. Als Material kam 5mm starker styrodurähnlicher Schaumstoff zum Einsatz, erhältlich als Trittschallschutz für Laminadtböden. Ich verwende diesen Schaumstoff sehr oft für die unterschiedlichsten Zwecke. Zwar nicht sehr stabil, aber preiswert und leicht zu verarbeiten. Die Trasse der Anschlussbahn verläuft in der Steigung und wurde deshalb aus einer Hartfaserplatte ausgesägt. Die Steigung ist mit 3,5% recht steil, aber notwendig um die geforderte Eingriffshöhe von 10cm im Schattenbahnhof zu erreichen. Außerdem verkehren hier sowieso nur kurze Rangiereinheiten. Die Stützen bestehen wieder aus Trittschallschutz (der Einfachheit halber ab jetzt TSS abgekürzt). Die Abstände der Stützen wurden so berechnet, dass immer nur eines der 5mm starken Stücke mehr untergeschoben wird. Die einzelnen Lagen wurden vorher verleimt.

Der nun folgende Teil ist der schwierigste, bereitet mir persönlich aber am meisten Freude. Nun ist es an der Zeit, die Lage der Gebäude festzulegen. Halt, vorher musste erst geklärt werden, welche Gebäude überhaupt verwendet werden. Und hier wurde es nun richtig kniffelig. In meinem Fundus befanden sich schon ein paar gebaute Modelle, die ich unbedingt verwenden wollte. Einige sind noch von früheren Anlagen, andere habe ich vor dem Umzug schon für die neue Anlage gebaut. Nach etlichen Stellproben mit immer neuer Anordnung hatte ich dann endlich das ernüchternde Ergebnis: Obwohl ich das eigentliche Thema (Stadt oder Dorf) noch nicht festgelegt hatte, kann keines der Modelle sinnvoll verwendet werden.

Irgend wo zwickte es immer, nichts wollte so richtig zusammenpassen. Natürlich hätte ich die Gebäude irgend wie unterbringen können, aber dann würde meine Anlage am Ende so aussehen wie tausend andere. Das ist eben der Nachteil, wenn man auf Bausatzhäuser, oder wie in meinem Fall auf -zwar größtenteils selbstgebautes- aber bereits vorhandenes Material zurückgreifen will. Die Lösung ist ebenso brutal wie einleuchtend: Alle Gebäude müssen komplett selbst gebaut werden. Das ist zwar nicht unbedingt schwierig, aber sehr Zeitaufwändig. Allerdings kann man so die Modelle perfekt aufeinander abstimmen. An diesem Punkt angelangt, ist der Knoten endlich geplatzt. Frei vom Diktat vorhandenen Materials, war das Thema des linken Anlagenteils (“Landschaftsteil“) nun schnell gefunden: auf dessen rechter Seite ein Dorf am Fluss, links nur Landschaft mit hohen Felsen. Ideen welche Vorbilder ich nachbauen will, hatten sich vorher schon genug in meinem Kopf befunden und nach einigen Wochen waren die ersten fünf Modelle gebaut. (Wie man ein Modell komplett selbst baut, werde ich später noch ausführlich beschreiben.) Ein Backhaus aus meinem Programm (Art. 1-44), zwei Wohnhäuser, eine Scheune und ein Stall standen nun recht planlos auf der Anlagenplatte vor mir. Ich war mal wieder der Versuchung unterlegen, einfach drauflos zu bauen und in eine Sackgasse geraten. Mein Plan war, ein Modell zu bauen und das nächste Gebäude dann nach den sich nun bietenden Möglichkeiten zu entwerfen. Wie bereits erwähnt, ist Vorausplanen nicht meine Stärke. Knackpunkt war die von mir gewünschte Höhenstaffelung, die einen Anlagenteil erst interessant macht. Ohne Höhenunterschiede hätte meine empirische Methode wohl gerade noch so funktioniert, so weit geht mein Vorstellungsvermögen gerade noch. Nun war aber der Punkt gekommen, an dem es nicht mehr anders ging: ich brauchte einen Plan. Konkreter: etwas zum Hinstellen und Ausprobieren. Nichts wäre ärgerlicher, als in mühevoller Kleinarbeit (um unseren früheren Verteidigungsminister zu zitieren) über viele Tage ein Modell zu bauen, das dann doch nicht verwendet werden kann, weil es zu kurz, zu hoch oder einfach überflüssig ist. 

Die Lösung ist ebenso einfach wie genial und stammt von meiner Lebensgefährtin: Dummyhäuser aus Pappe müssen her! Über die Weihnachtsfeiertage 2010 wählte ich aus meinem Fundus an Vorbildfotos und Literatur etwa 20 Gebäude aus. Danach entstanden die Bauzeichnungen in H0. Als Baumaterial für die Dummys verwendete ich dann aber doch nicht Pappe, sondern meinen Universalbaustoff TSS. Nach etwa zwei Wochen hatte ich um die 20 Wohnhäuser, Ställe und Scheunen. Auch einige unbemalte Modelle aus früheren ERMO- Zeiten waren darunter. Damit konnte nun nach Herzenslust herumgedoktert werden. Der zukünftige Straßenverlauf war bald festgelegt. Die Höhenunterschiede entstanden durch provisorisches Unterlegen von zurechtgeschnittenen Styroporplatten unterschiedlicher Stärke. Doch wie gestaltet man ein Dorf, ohne ein konkretes Vorbild zu haben? Wirklich gut gestaltete Dorfszenen sind auf Modellbahnanlagen nur äußerst selten zu sehen. Hier endet wohl die Phantasie der meisten Modellbauer. Ein paar pittoreske Fachwerkhäuschen, die Dreiseithöfe von Faller und Auhagen dazwischen, Zaun drumrum und das war es in den meisten Fällen auch schon. Manchmal ist Ignoranz schuld daran, dass die Dörfer auf Modellbahnen fast alle gleich aussehen, oft aber nur Unwissenheit über die Funktion der einzelnen Gebäude in einem Dorf. Eigentlich kein Wunder, denn die Dörfer haben sich in den letzten 50 Jahren sehr stark verändert. Heute sind sie nur noch Ansammlungen mehr oder weniger moderner Wohnhäuser, dazwischen die traurigen Reste der bäuerlichen Vergangenheit. Früher war das anders.

Ein Dorf war das gewachsene Abbild der damaligen Gesellschaft. Es ist unterteilt in bebaute und unbebaute Grundstücke. Größe und Funktion der Gebäude hingen ab von Beruf und Vermögen der Besitzer. Es gab reiche Bauern mit prächtigen Wohnhäusern und großen Scheunen, Kleinbauern in ärmlichen Hütten, Gastwirte, Kaufleute und Handwerker. Bauern betrieben früher fast immer gleichzeitig Landwirtschaft und Viehzucht. Das Land musste seine Bewohner ernähren, und oft tat es das mehr schlecht als recht. Selbstversorgung war angesagt um zu überleben. Eine Spezialisierung auf nur einen Bereich (z.B. Milcherzeugung ) wie es heutzutage die Regel ist, war damals weitgehend unbekannt. Ein funktionierender Bauernhof braucht deshalb neben dem Wohnhaus noch entsprechende Wirtschaftsgebäude. Eine Scheune und ein Stall (oft ins Wohnhaus integriert) bilden die Mindestausstattung. Wohlhabende Landwirte hatten oft mehrere Ställe und eigene Remisen für den Fahrzeugpark. Nicht erst heute sind Größe und Anzahl der Wagen ein Statussymbol. Auch Gastwirte, Handwerker und Kaufleute betrieben nebenher noch Landwirtschaft und/oder Viehzucht, wenn auch oft nur in eingeschränkten Umfang. Mit dieser Erkenntnis fällt die Dorfgestaltung plötzlich gar nicht mehr so schwer. Man muss sich nur Gedanken darüber machen welche Funktion ein Anwesen hat, und die Gebäude entsprechend auswählen. Bleibt nur noch die Frage zu klären, wohin man die einzelnen Gebäude stellt. Einfach im rechten Winkel nebeneinander stellen, sieht nicht nur langweilig aus, sondern entspricht auch nicht dem Vorbild. Die einzelnen Grundstücke sind unterschiedlich groß und nur selten rechteckig. Das kommt daher, dass der Besitz des Bauern nach dessen Tod unter den Nachkommen aufgeteilt wurde.

Normalerweise übernahm der älteste Sohn schon vorher den Hof. Die übrigen Geschwister verdienten sich bei anderen Bauern als Knecht oder Magd oder heirateten in eine andere Bauernfamilie ein. Trotzdem kam es vor, dass der Hof und die vorhandenen Felder unter mehreren Nachkommen aufgeteilt wurden. So entstand ein Flickenteppich aus unterschiedlich großen Grundstücken innerhalb der Dörfer, die oftmals sehr eng bebaut waren. Diese Entwicklung ist übrigens ein regelrechtes Spiegelbild der politischen Verhältnisse in Deutschland bis vor etwa 200 Jahren. Damals bestand Deutschland aus hunderten mehr oder weniger großen Staaten, deren Besitzungen fast nie zusammenhängend waren. Oft hatte das Nachbardorf bereits einen anderen Grundherren, manche waren sogar unter mehreren aufgeteilt. Nürnbergs Nachbarstadt Fürth war zu dieser Zeit zwar noch nicht Stadt, war aber bei deutlich unter 10 000 Einwohnern unter drei Grundherren aufgeteilt. Alle mit unterschiedlichem Regierungsstil und eigener Rechtsprechung. Heutzutage einfach unvorstellbar! Ich füge diese Bemerkung nur deshalb hier ein, weil ich eingangs erwähnte dass “mein” Dorf im Gebiet der alten Reichsstadt Nürnberg liegt, die in einigen Details einen eigenen Baustil entwickelt hat. Nach diesen Ausschweifungen zurück zum Thema. Wie die einzelnen Grundstücke aufgeteilt werden, ist zweitrangig. Der Schwerpunkt kann ganz auf die optische Wirkung gelegt werden, sofern man einige Regeln (schon wieder, ich weis) beachtet. Eine Regel ist, dass die Zufahrt zu den Grundstücken gewährleistet sein muss. Dann müssen die Gebäude so aufgestellt werden, dass sie sich nicht gegenseitig behindern. Es muss genug Platz bleiben um die Eingänge zu erreichen. Eine Scheune macht nur dann Sinn, wenn der Bauer mit dem Wagen auch hineinfahren kann. Wohnhäuser sollten zumindest auf einer Seite so frei stehen, dass genügend Licht durch die Fenster fällt. Unter Beachtung dieser Punkte, habe ich die Dummys so lange immer wieder verschoben, bis ein harmonischer Gesamteindruck erreicht war. Hierbei hat sich wie zu erwarten war herausgestellt, dass einige Modelle abgeändert werden mussten. Oft waren es nur ein paar Millimeter, die mit dem Cuttermesser schnell korrigiert waren. Ein fertiges Modell wäre hier wohl nicht mehr zu retten gewesen. Schnell stellte sich heraus, dass es sinnvoll ist das Dorf in zwei herausnehmbaren Teilen zu gestalten. So kann ich die Teilstücke bequem ohne Verrenkungen im Sitzen fertig stellen. Die Straße bildet die Trennlinie. Auch hier hat es sich bewährt, die Styroporplatten nicht dauerhaft zu befestigen. Nun geht es daran, die Dummis nach und nach durch richtige Modelle zu ersetzen, was wohl noch viel Zeit in Anspruch nehmen wird. 

Das Dorf wächst

Mittlerweile sind einige der Dummys durch “richtige” Modelle ersetzt worden. Hinzugekommen sind: ein Kleinbauernhof in Fachwerk/Sandsteinbauweise, die Brauereigaststätte (Fachwerkbau) mit Brauhaus, sowie zwei Scheunen. Die Modelle entstanden im kompletten Selbstbau. Wer die Bilder mit den oben gezeigten vergleicht, wird einige Änderungen feststellen: Die Brauereigaststätte war ursprünglich ohne Brauhaus geplant. Bei ganz kleinen Brauereien sind die Braustätten oft im Wohngebäude oder in unscheinbaren Nebengebäuden untergebracht. Ich wollte aber, dass man auch sieht dass es sich um eine Brauerei handelt. Außerdem unterstreicht das Brauhaus durch seine Höhe die nach hinten ansteigende Höhenstaffelung. Auch im unteren Dorfbereich wurde umgeplant. Für eine genaue Beschreibung der einzelnen Gebäude ist es aber noch zu früh. 

Alles unter einem Dach

Das hier vorgestellte Gebäude habe ich schon vor 15 Jahren im Landkreis Forchheim (Ofr.) entdeckt. Es hat mich schon damals so fasziniert, dass ich es als Anregung für einen meiner früheren ERMO Bausätze verwendet hatte (der Bausatz ist mittlerweile wieder bei mir erhältlich -Art. 1-43). Die genaue Funktion des Gebäudes konnte ich leider nicht herausfinden. Allen Anschein nach wird der linke Anbau als Schuppen, der danach folgende Teil des Hauptgebäudes als Scheune und der rechte Teil als Stall genutzt. Das Obergeschoss des rechten Teils scheint den Fenstern nach zu urteilen bewohnbar zu sein. Vielleicht war hier aber auch eine Werkstatt oder sogar eine Braustätte untergebracht. Wie auch immer, genau so ein Gebäude will ich in meinem Dorf haben, zumal ein noch vorhandener Bausatz schnellen Erfolg versprach. Ganz ohne Änderungen kam er aber auch nicht davon. Sowohl das Dach als auch der Grundriss stimmen mit dem Vorbild nicht überein. Ich hatte damals das typisch fränkische Frackdach durch ein “normales” Satteldach ersetzt, damit der Bausatz ein neutraleres Erscheinungsbild erhält. Der Grundriss des Originals ist nicht rechteckig, die linke Giebelseite ist breiter als die Rechte. Verwendet habe ich also nur die Vorderseite, während die anderen Seiten und das Dach neu angefertigt wurden. Obwohl ich das Ergebnis durchaus als gelungen bezeichnen kann, war ich dann doch nicht zufrieden. Ich hatte beim Entwurf des Bausatzes auch die Proportionen etwas “neutralisiert” und auch den Durchbruch im Obergeschoss des Scheunenteils weggelassen, schließlich sollte das Modell auch für Modellbahnen geeignet sein, die nicht in Franken angesiedelt sind. Aber gerade diese Öffnung in der Bretterfassade wollte ich unbedingt haben, was mir leider wieder mal zu spät eingefallen ist. Nachträgliche Änderungen waren nicht möglich, mir blieb nichts anderes übrig als noch einmal von vorne zu beginnen und das Modell neu zu bauen. Verwendet habe ich Polystyrolplatten in 0.15mm, 0.3mm und 1mm Stärke. Das Scheunenobergeschoss erhielt eine “Einrichtung” aus der Restekiste, sprich Gerümpel wie Kisten, ausgemusterte Möbel, Fahrräder und was sich noch so alles auf einem Dachboden ansammelt. Selbst der Flaschenzug wurde nicht vergessen. 


Ein Balken mehr

Am hier vorgestellten Bauernhaus erkennt der Fachmann (oder wie in meinem Fall der interessierte Laie) sofort den typischen Nürnberger Baustil. Der Begriff Baustil ist hier vielleicht etwas übertrieben, solche Bauernhäuser sind in weiten Teilen Frankens zu finden. Aber ein Unterscheidungsmerkmal gibt es doch: die parallel verlaufenden Fachwerkstreben gibt es nur im Nürnberger Land (auf dem Bild mit blauen Pfeil markiert). Eine an sich lächerliche Kleinigkeit, zugegeben, aber eben doch ein Unterschied. Das Haus ist mit seinem hellgrünen Untergeschoß, dem ockergelben Giebel und den leuchtend roten Fachwerk recht bunt. Das entspricht aber durchaus dem Vorbild, vor allem die Wohnhäuser waren früher viel farbiger als heutzutage oft angenommen wird. Auch hier wurde in den 60er und 70ern viel Renovierungspfusch betrieben. Weiße Dispersionsfarbe und dunkelbraune Holzschutzlasur waren zum Glück das kleinere Übel, schlimmer wäre ein Abriss gewesen, was leider viel zu oft vorgekommen ist. Ebenfalls neu dazugekommen ist ein Stall, der gar keiner ist. Vielleicht waren hier früher einmal tatsächlich Schweine oder Ziegen untergebracht, jetzt erfüllt er jedenfalls andere Aufgaben: das Untergeschoß links wird als Schuppen genutzt, dann folgt eine Wagenremise, anschließend die Waschküche und ganz rechts befindet sich der Abort, heutzutage auch Toilette genannt. Im Obergeschoß wird Brennholz gelagert. Beide Modelle entstanden wieder komplett aus Polystyrolplatten unterschiedlicher Stärke. 

Die Mühle

Eigentlich sollte der noch unbemalte Torso des hier vorgestellten Modells nur als Platzhalter dienen, bis ich ein geeignetes Vorbild zum Nachbauen gefunden habe. Allerdings ahnte ich bereits, dass die Suche nicht gerade einfach werden würde. Mit den Mühlen an unseren heimischen Bächen und Flüssen verhält es sich etwa so, wie mit der Intimbehaarung der Frauen: Sie werden immer seltener. Während letzteres ein Modetrend ist der sich auch wieder ändern kann, ist es mit der guten alten Mühlenherrlichkeit wohl ein für alle mal vorbei.  In den Fünfzigern gab es beides noch reichlich, doch heutzutage scheint davon nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Natürlich steht das eine oder andere Mühlengebäude noch, aber entweder als baufällige Ruine oder bis zur Unkenntlichkeit totsaniert. Die wenigen Ausnahmen entsprechen leider nicht meinen Vorstellungen: ich will auf meiner Anlage keine romantische Fachwerk-Wassermühle, sondern eine mit Wasserkraft betriebene frühindustrielle Produktionsstätte wie ein Hammerwerk oder eine Papiermühle. Also eher so etwas wie eine kleine Fabrik. Zur Erklärung: Eine Mühle diente früher nicht unbedingt zum Kornmahlen, jeder Gewerbebetrieb der ein Wasserrad als “Kraftmaschine” eingesetzt hat, wurde als Mühle bezeichnet. Noch heute wird im englischsprachigen Raum eine Fabrik als “The Mill” bezeichnet. Der Grund für das Verschwinden solcher Kleinbetriebe dürfte wohl jeden klar sein: Die Dampfmaschine stellte -weil teuer in Anschaffung und Betrieb- noch keine all zu große Gefahr dar, aber die allgemeine Elektrifizierung machte das Wasserrad schnell unrentabel. Und so ist es kein Wunder, dass ich kein passendes Vorbild gefunden habe. Es war also einmal wieder an der Zeit sich zu entscheiden: mühevolle Suche nach Fotos in alten Büchern, oder doch den Platzhalter verwenden. Eigentlich kam er meinen Vorstellungen was Baustil und Proportionen betrifft, schon sehr nahe. Ursprünglich für die Erweiterung meiner alten Anlage vorgesehen, hatte ich ihn damals aus den Probegussteilen zweier Resinbausätze die ich einmal als Auftragsarbeit entworfen hatte, zusammengeschustert. Störend empfand ich eigentlich nur die aus meiner heutigen (subjektiven) Sicht etwas grobe Putzstruktur und die angegossenen Fensterläden, was dem Wunsch des damaligen Auftraggebers entsprach. Das Modell steht am vorderen Anlagenrand wo man jede Kleinigkeit erkennen kann, da hätten sich einzeln angefertigte Läden und ein feinerer Putz schon besser gemacht. Ansonsten hatte ich das Modell durch Kitbashing und einige Zusatzwände so weit abgeändert, dass man ihm seine Herkunft nicht mehr auf den ersten Blick ansieht. So richtig mit ganzen Herzen war ich aber doch nicht bei der Sache, und so ist es kein Wunder dass ständig etwas daneben ging. Der ursprünglich beige-gelbe Fassadenanstrich erinnerte mich nach Fertigstellung doch etwas zu sehr an die Farbe der unbemalten Resinteile. Also neu bemalen, diesmal in zartem Pastellgrün, was auch nicht gerade ein Augenschmaus ist, aber meine bessere Hälfte hat mich dann überredet es so zu lassen. Na ja, wenigstens ihr gefällt es. Beim Dach wurde es dann richtig schlimm. Der Grundanstrich ist mir etwas zu dunkel geraten, weswegen ich für die Patinierung nicht wie üblich unverdünnte schwarze Abtönfarbe, die durch Abwischen sofort wieder entfernt wird, verwendet habe. Ich entschied mich für mit Spiritus stark verdünnte schwarze Tamiya Farbe. Hier ist der Grat zwischen “superrealistisch” und “Totalausfall” sehr schmal. Leider wurde es diesmal Letzteres. Allerdings hatte ich inzwischen derart viel Zeit und Tobsuchtsanfälle in das verdammte Modell gesteckt, dass ich es unbedingt retten wollte, was ja grundsätzlich immer möglich und nur eine Frage von noch mehr Zeit und Nerven ist. Nachdem der Pfusch behoben war, wollte ich die noch offene Frage des zu verwendenden Mühlrades nicht länger aufschieben. Eigentlich schwebte mir ein unterschlächtiges Mühlrad mit einer Holzabdeckung vor, wie es z.B. im Industriemuseum in Lauf/Pegnitz in betriebsfähigen Zustand zu bewundern ist. Mit viel Geduld durchaus machbar, aber Lust hatte ich zu dieser Fummelei inzwischen keine mehr. Die Alternative sieht zwar nicht unbedingt spektakulär aus, ist aber recht schnell gebaut und durchaus realistisch: angenommener Maßen wurde das alte Mühlrad in den 30er Jahren durch eine Turbine zur Stromgewinnung ersetzt. Eine damals durchaus übliche Vorgehensweise. Um das somit etwas langweilige Gebäude etwas aufzupeppen, spendierte ich ihm noch eine überdachte Außentreppe und einen kleinen Anbau. Letzterer macht Sinn, denn sonst könnte die Uferseite des Gebäudes wegen des nahen Bahndamms nicht betreten werden. Zu guter Letzt erhielt das Dach noch jede Menge Gaupen, Schornsteine, Fenster und Entlüftungsrohre. Wenn ich jetzt das fertige Modell betrachte, bin ich mit meiner Arbeit eigentlich doch zufrieden. Nicht das gewünschte Supermodell, aber weit mehr als ein simpler Platzhalter. 




Drei Scheunen

In diesem Bauabschnitt befinden sich gleich drei Scheunen. Die vordere Scheune ist die kleinste. Sie gehört -wie die dahinter liegende, einem Bauern der anscheinend über viel Grundbesitz verfügt. Wahrscheinlich ist einer seiner Vorfahren durch Erbschaft zu mehr Land gekommen, sodass die alte Scheune nicht mehr ausgereicht hat. Anstatt das alte Gebäude abzureißen und eine größere Scheune zu errichten, wurde einfach eine weitere gebaut. Zum Einsatz kam die "Fachwerkscheune" Art. 1-19 aus meinem Programm. Der Bausatz entstand nach einem Vorbild aus Forchheim/Oberfranken (Bild 3) und war schnell zusammengebaut und bemalt. 

Die hinterste Scheune ist die bei weiten größte. Der zugehörige Hof befindet sich schon außerhalb des Anlagenteilstücks, der vorhandene Platz hat gerade noch für ein Halbreliefmodell ausgereicht. Gebaut habe ich es aus TSS, in das die Fachwerkstruktur eingeritzt wurde. Zu dieser Methode kam ich wie die Jungfrau zum Kind. Eigentlich hatte ich nur ein schnell zusammengeschustertes Stück Fachwerkmauer gebraucht, um die Wirkung einer frisch angemischten Lasurfarbe zu testen. Die Methode hat aber so gut funktioniert, dass ich dann das ganze Modell so gebaut habe. Die Zeitersparnis beim Gravieren ist gegenüber Polystyrol erheblich! An seine Grenzen stößt die Methode allerdings, sobald Fensteröffnungen in das TSS geschnitten werden. Der weiche Schaumstoff franst aus, durch die nötige Nacharbeit relativiert sich die Zeitersparnis so weit, dass man gleich das stabilere Polystyrol nehmen kann. (Bild 11 rechts).

Das Vorbild der mittleren Scheune steht heute im Freilichtmuseum Bad Windsheim. Auf den ersten Blick ist die Scheune recht unspektakulär, und ich muß gestehen dass ich mich beim besten Willen nicht an sie erinnern kann, obwohl ich vor ihrer Umsetzung ins Museum bestimmt einige hundert male auf dem Schulweg an ihr vorbeigelaufen bin. Vielleicht deshalb, weil sie damals noch von mehreren Ställen und Nebengebäuden umringt war (Bild 9). Erbaut wurde sie um 1680 noch ganz in der traditionellen mittelalterlichen Bauweise, die zu diesem Zeitpunkt nur noch sehr selten angewendet wurde, was wohl auch der Grund gewesen sein dürfte sie museal zu erhalten. Das heute an dieser Stelle stehende Mehrfamilienhaus ist eines der ganz wenigen halbwegs positiven Beispiele, wie sich ein Neubau in das gewachsene Ortsbild einfügen kann (Biled 10). Die Modellumsetzung ist ebenfalls unspektakulär: Sandsteinfundament aus TSS, Holzteile von Auhagen, Dach wie immer aus den bewährten Kibri Platten. Die Scheune ist inzwischen bei mir als Resin-Bausatz erhältlich (Art. 1-38).

Auch das Wohnhaus entstand wie die anderen Häuser aus 1mm Polystyrol. Der Stall mit seinem typisch fränkischen Frackdach ist für den Hof eigentlich viel zu klein. Ein Bauer der zwei Scheunen braucht um seine Ernte unterzubringen, sollte doch auch eine entsprechende Anzahl Milchvieh besitzen. Tatsächlich war das auch bis vor etwa 100 Jahren der Fall, mehr dazu im nächsten Kapitel. Zurück zum Stall: Es war eines der ersten Modelle die ich für diese Anlage gebaut habe, noch bevor ich das “Wundermittel” TSS als Baumaterial entdeckt habe. Für das Sandsteinmauerwerk musste eine alte Kibri Mauerplatte herhalten. So überzeugend das Ergebnis auch ist, es war eine nervtötende Geduldsarbeit die einzelnen Wandteile so aus der Platte zu schneiden, dass die Mauerfugen an den Kanten richtig zusammen gepasst haben. Nicht nur die Höhe muß genau stimmen, sondern auch die Breite der einzelnen Quader. Ich kann das nur schwer mit Worten erklären, am Besten stelle man sich vor, wie die Mauerfugen aussehen würden, wenn das Modell aus Lego Steinen gebaut wäre. An den Kanten wechseln sich die breite und die schmale Seite der Lego Klötze ab. Ich habe die entsprechenden Stellen auf einem der Fotos mit Pfeilen markiert (Bild 6). Darauf achtet nach meiner Beobachtung übrigens kaum ein Modellbauer, selbst Großserien Bausätze stimmen in dieser Hinsicht nur selten. 







Die Tanke

Wie im letzten Kapitel bereits erwähnt, passen die Gebäude des dort behandelten Bauernhofs eigentlich nicht zusammen. Ein eher schlichtes Wohnhaus, ein mickriger Stall, aber gleich zwei pompöse Scheunen machen nicht gerade Sinn. Der geneigte Leser der meine Vorgehensweise inzwischen kennt, wird sich so seine Gedanken gemacht haben. Und richtig geraten: geplant war das so nicht. Darauf gekommen bin ich beim Bauklötzchenspielen mit meinen TSS-Dummys, die nach hinten ansteigende Höhenstaffelung gefiel mir. Es musste mal wieder eine Ausrede her, und die war auch schnell gefunden: das eigentliche Wohnhaus und ein zusätzlicher größerer Stall wurden irgendwann durch einen Neubau mit anderer Funktion ersetzt. Natürlich hätte ich es mir leicht machen und gleich die ursprünglichen Gebäude, also großes Bauernhaus und Stall nachbauen können, aber immer nur Bauernhof war mir dann doch zu langweilig. Im Geiste ging ich die Liste der in einem Dorf vorhandenen Handwerker durch. Bäcker, Metzger, Schreiner, alles zu unspektakulär was die Architektur betrifft, Brauerei hatte ich schon. Die rettende Idee kam mir beim Durchblättern der November Ausgabe des Eisenbahn Journals. Der Bericht “Herbst im Odenwald” stach mir sofort ins Auge.  Nicht nur das außergewöhnliche Thema (Herbst) überzeugt, sondern vor allem das liebevolle Arrangement der geschickt ausgewählten Gebäudebausätze. Denn was bringen die exklusivsten Resinbausätze, wenn die Umsetzung nicht stimmt? Ein ganz großes Kompliment an den Erbauer Michael Volz! Das für mich zu diesem Zeitpunkt interessanteste Detail war, man ahnt es schon: die Tankstelle. Genau so etwas hatte ich gesucht. Als Nieten, bzw. Balkenzähler kam der hier verwendete Bausatz leider nicht in Betracht. Ich hatte ihn (wie übrigens auch fast alle anderen auf dieser hervorragenden Anlage verwendeten) vor einigen Jahren als Auftragsarbeit nach einem Vorbild in Thüringen gefertigt, er war mir also nicht “fränkisch” genug. Der Bausatz ist übrigens mittlerweile wieder bei mir erhältlich (Art. 1-58). Allerdings war mir klar dass es wenig Sinn macht, nun nach einer passenden Vorbild-Tankstelle zu suchen. Das war auch gar nicht nötig, die Tankstelle aus Thüringen passt ja. Es musste nur ein geeignetes Wohnhaus her, und das war am Stadtrand von Nürnberg auch schnell gefunden. Ich baue nur ungern Gebäude streng nach Vorbild bis zum letzten Ziegel nach und so kam ich auf die Idee, dem Gebäude einen straßenseitigen Eingang und ein Schaufenster zu verpassen. Also doch Bäcker oder Metzger? Würde Sinn machen, war mir aber dann aber doch zu langweilig. Nein, es sollte etwas sein was ich noch auf keiner anderen Anlage gesehen habe. Die Idee kam wieder einmal von meiner besseren Hälfte als sie mich nebenbei fragte, “ob ich auf der Anlage wieder Angler aufstellen will“. “Klar will ich wieder Angler, wozu sonst brauche ich auf der Anlage einen Fluß?” “Na damit du deine Nacktbaderinnen unterbringen kannst!” “Die kann ich auch anderwärtig platzieren, auf dem Dach zum Beispiel, Angler machen aber nur am Wasser Sinn, wo sonst sollte man sie als solche erkennen?” Ihre Antwort kam trocken und unerwartet: “Im Angelladen, so was hat bestimmt noch keiner gebaut.” Da musste ich ihr Recht geben. Allerdings graute mir vor dem Gedanken, die Idee konsequent umzusetzen. Der Rohbau war bereits fertig und das Schaufenster reichlich groß geraten. Mit ein bisschen Schaufensterdekoration war es hier nicht getan, der dahinter liegende Raum ist gut einsehbar. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als eine komplette Ladeneinrichtung zu bauen. Als diese einige Flaschen Baldrian und etliche graue Haare später endlich fertig war, freute ich mich schon auf die Tankstelle, die doch eigentlich die “Hauptrolle” spielen sollte. Damit daraus keine Nebenrolle wird, war es aber notwendig sie etwas aufwendiger zu gestalten als ursprünglich geplant und somit spendierte ich ihr noch eine KFZ Werkstatt samt Inneneinrichtung. Das Modell entstand wie üblich komplett aus Polystyrol, lediglich für die Rückwand der Werkstatt kam das bewährte TSS zum Einsatz. Für die Mauerwerknachbildung des Hauptgebäudes verwendete ich eine 0,5mm starke Strukturplatte aus dem Architekturbedarf, der Hersteller ist wahrscheinlich Slaters. Die Anordnung der Ziegel ist recht ungewöhnlich und entspricht nicht dem in Deutschland üblichen Kreuzverband, ich glaube sie wird als “gotisch” bezeichnet. Ich habe schon von einigen Modellbahnern gehört, die dieses ansonsten hervorragende Material deshalb ablehnen, obwohl die Größe der Ziegel maßstäblich ist. Mich jucken solche Einwände wenig, ganz im Gegenteil. Keine Ahnung warum, aber im Nürnberger Raum ist dieses Mauerwerk wesentlich häufiger anzutreffen als der “vorschriftsmäßige” Kreuzverband. Fenster und Fensterlaibungen stammen aus einem Bastelset von Auhagen, die Zapfsäulen und die Hebebühne sind von Busch. Die Schilder und Aufschriften entstanden am PC oder sind diversen Beschriftungsbögen entnommen. Wer genau hinsieht wird unter dem Schild des Angelladens die Reste einer Aufschrift erkennen. Früher stand hier "Kolonialwaren". Als das Geschäft nicht mehr so gut lief, hat der Hausbesitzer den Laden dicht gemacht und an einen Angelgerätehändler vermietet. Was noch fehlt, sind Ausstattungsdetails an der Tankstelle wie Ölkabinett, Reifenstapel etc. Diese werde ich bei Gelegenheit nachrüsten.

Mit der Tankstelle ist das Dorf nun endlich komplett. Ich baue an der Anlage mittlerweile über ein Jahr und es ist nicht viel mehr zu sehen als ein paar Häuser. Eigentlich sollten nach einem Jahr bereits die Züge rollen, was aber nur auf Schienen geht und die auserkorenen Weinert Weichen sind immer noch nicht lieferbar (Januar 2012). So habe ich die Zeit eben genutzt und die Gebäude etwas aufwändiger gestaltet. Wären die Weichen bereits vor einem viertel Jahr erhältlich gewesen, hätte ich wohl nicht die Geduld gehabt, eine Ladeneinrichtung zu bauen von der man später nicht mehr allzu viel sieht. Obwohl sich der Aufwand meiner Meinung nach gelohnt hat, bin ich trotzdem froh, dass ich mich nun anderen Aufgaben widmen kann. Als nächstes ist die Brücke dran. Auch hier will ich nicht auf das übliche Material von der Stange zurückgreifen. Allerdings will ich jetzt hier auch nicht vorgreifen…

Wasser marsch! (Das Wehr)

Und jetzt greife ich doch vor. Nicht die Brücke, sondern das Mühlenwehr ist zuerst an der Reihe. Obwohl die Brücke bereits weitgehend fertig gestellt ist, will ich sie erst einbauen, wenn das Gleismaterial eingetroffen ist. Im Gegensatz zu den Mühlen haben die zugehörigen Stauwehre fast alle überlebt. Sie dienen nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern werden in Verbindung mit einer Turbine zur Stromerzeugung genutzt, und das nicht erst seit Grüne Energie “in” ist. An geeigneten Vorbildern herrscht deshalb kein Mangel. Das hier abgebildete Wehr (Bild 1) ist nur eines von insgesamt fünf die mir als Vorbild dienten. Wie bei der Tanke habe ich die für mich interessantesten Details in einem Entwurf zusammengefasst. Allerdings war es diesmal mit dem Bau eines TSS Dummys nicht getan, eine gehörige Portion Gehirnschmalz war nötig, damit am Ende alles zusammen passt. Als erstes musste das Problem der Zugänglichkeit gelöst werden, denn eine derartige Fummelarbeit lässt sich kaum im Stehen mit ausgestreckten Arm erledigen. Die Mühle wurde mit samt dem Styroporunterteil herausgetrennt. Anschließend ermittelte ich die Größe der oberen und unteren Wasserfläche indem ich ein Stück Pappe solange zurecht schnitt, bis die gewünschten Maße erreicht waren. Die Umrisse wurden auf eine 25cm x 50cm große 2mm starke Acrylglasplatte übertragen. Acrylglas (“Plexiglas") lässt sich im Prinzip wie Polystyrol bearbeiten, beidseitig anritzen und vorsichtig abbrechen geht wesentlich schneller als aussägen und solange man vorsichtig zu Werke geht, gibt es als Zugabe auch noch absolut gerade Kanten. Die obere Wasserfläche liegt 25mm über der unteren, der Höhenunterschied wurde durch eine 20mm starke Styroporplatte und eine Lage TSS erreicht. Die Gewässer waren zur Wirtschaftswunderzeit noch wesentlich trüber als heute, deshalb entschloss ich mich, den Gewässergrund nur durch Farbe darzustellen. Also strich ich das TSS mit dunkelgrüner Acrylfarbe, Untiefen (Sandbänke) entstanden durch nass in nass aufgetragene beigegelbe Farbe (Bild 2). Die darüber gelegte Acrylglasplatte vermittelt schon einen guten Eindruck, wie die Wasserfläche später aussehen wird. Durch die extrem glatte Oberfläche sieht es aus wie richtiges Wasser. Dieser Effekt würde zunichte gemacht, wenn das Acrylglas mit dem Untergrund großflächig verklebt wäre. Anscheinend bricht das Licht in dieser hauchdünnen Luftschicht derart, dass eine täuschen echte Tiefenwirkung entsteht. Daraus folgt, dass die Platte nur an den später nicht sichtbaren Rändern mit ganz wenig Kleber befestigt werden darf. Für die untere Wasserfläche kam die selbe Methode zum Einsatz, nur dass hier die Farbe direkt auf die Hartfaserplatte gemalt und die Plexiplatte sofort aufgeklebt wurde, während der obere Teil mit samt der Styropor/TSS Unterfütterung vorläufig herausnehmbar bleibt. Auf dem Arbeitstisch neben die Mühle gestellt, kann das Wehr somit bequem im Sitzen gebaut werden. Vorher ist aber aus den bereits bekannten Gründen ein TSS-Dummy an der Reihe. Er diente später auch noch als Versuchskaninchen für die Gestaltung des herabstürzenden Wassers (Bild 3 und 4). Für das eigentliche Wehr kam als Material 3mm starkes Styrodur zum Einsatz, zum Erreichen der nötigen Mauerdicke wurden zwei Lagen übereinander geklebt. Als die “Beton”-Teile fertig gebaut und bereits bemalt waren, musste ich feststellen dass ich vergessen hatte, die 2mm der unteren Acrylglasplatte einzurechnen. Zwischen den hinteren Pfeilern und der oberen Wasserfläche waren eben diese 2mm Luft. Also machte ich zähneknirschend aus der Not eine Tugend und unterfütterte die Pfeiler mit etwas überstehenden und vorne rund gefeilten Plastikstücken (Bild 5 und 6). Diese unfreiwillige Zusatzarbeit wertet das Wehr optisch ganz erheblich auf. Da hätte ich eigentlich auch so drauf kommen können. Die Hebevorrichtung der Schieber und das Geländer entstanden aus diversen Profilen und Federdrahtstücken, für die Zahnstangen wurden feine Laubsägeblätter zweckentfremdet. Alles in allen mal wieder eine elende Fummelei! Der Platz zwischen Mühle und Ufermauer ist so knapp, dass ein Laufsteg nötig ist um gefahrlos an das Wehr zu gelangen. Dieser entstand ebenso wie der auf dem Wehr aus einer 0,5mm starken Polystyrolplatte in die die Holzmaserung eingeritzt wurde. Das unbedingt notwendige Geländer fand sich zum Glück schon fertig montiert in meiner Restekiste, es musste nur noch entsprechend abgelängt und gebogen werden. Auch dieses Detail entstand aus der Situation heraus. Geplant war es nicht, und dennoch konnte ich befriedigt feststellen dass es eine nicht unerhebliche optische Bereicherung ist.

Was noch fehlt, sind die Wellen und das Sturzwasser, sowie die Mauer am Austritt des Arbeitswassers.  Als störend empfinde ich den Spalt zwischen Wehr und Wasseroberfläche, denn für den Fall der Fälle sind Wehr, obere Wasserfläche und die Mühle noch nicht fest miteinander verbunden. Erst nach dem Verkleben wird er nicht mehr sichtbar sein. Ich habe mich dazu durchgerungen, die Wellen erst nach dem Fertigstellen der Landschaft aufzutragen, weil die dafür vorgesehene Fenstermalfarbe nicht völlig aushärtet und Grasfasern, Staub und was sonst noch so beim Anlagenbau abfällt auf der Wasseroberfläche nicht gut aussehen würden.







Die Brücke

Zwei Anforderungen musste die Brücke erfüllen: sie soll einerseits möglichst niedrig sein um den Blick auf die Mühle nicht zu versperren, und zweitens nicht zu tief um den Durchblick zum Wehr frei zu halten. Trotzdem soll sie optisch etwas her machen, eine Fachwerkbrücke wäre mir am liebsten gewesen. Leider sind alle mir bekannten Bausätze von der Materialstärke her viel zu überdimensioniert, selbst die zuerst ins Auge gefasste Brücke von Noch ist (wahrscheinlich aus Stabilitätsgründen) aus zu dicken Karton. Ich entschied mich etwas vorschnell für die Fachwerkbrüche Art. 11 365 von Auhagen, auf dem Kartonbild gar hübsch anzusehen. Beim Auspacken kam dann die Enttäuschung, auch wieder viel zu klobig. Meine zweite Wahl wäre eine genietete Blechträgerbrücke gewesen, aber auch hier konnte ich nichts passendes auftreiben. Es ist schon erstaunlich, dass der ansonsten vollkommen übersättigte Markt immer noch diese Lücke aufweist. Fündig geworden bin ich schließlich bei Hack, das Fertigmodell hat zwar keine Niete, entspricht aber Länge und Höhe betreffend genau meinen Vorstellungen (Bild 1). Beim Vorbild ersetzen solche geschweißten Blechbrücken die meist noch kurz vor Kriegsende gesprengten Brücken älterer Bauart. Einen Nachteil hat das Fertigmodell aber doch: es ist für meine Zwecke zu schmal, weil die Gleise im Bogen verlaufen. Außerdem ist die Detaillierung zwischen den Blechträgern nicht gerade berauschend. Es half nur eine radikale Runderneuerung. Mit dem Trennschleifer entfernte ich die Stege zwischen den Blechträgern und weil ich gerade dabei war auch noch das zu hohe Geländer. Viel blieb nach dieser Behandlung von der Brücke nicht mehr übrig, aber ich hatte ja noch den Auhagen Bausatz. Deren Fachwerkträger wurden entsprechend gekürzt, mit 2mm Profilen links und rechts verbreitert und dann zwischen die Blechträger der Hack Brücke geklebt (Bilder 2-4). Nicht verwenden konnte ich die im Auhagen Bausatz vorhandenen Widerlager, ich stellte sie kurzer Hand aus Mauerplatten und TSS selbst her (Bild 5). Auch die Wipp- und Rollenlager aus dem Bausatz sind viel zu grob und wurden neu angefertigt (Bild 6), das Geländer wiederum habe ich verwendet. Im Nachhinein betrachtet war der Auhagen Bausatz dann doch kein Fehlkauf. Lackiert wurde die Brücke mit Grass Green von Humbrol aus der Sprühdose, die Alterung erfolgte mit stark verdünnter schwarzer Tamiya Farbe der etwas Rotbraun zugesetzt wurde. Das so entstandene Modell macht probehalber aufgestellt bereits einen guten Eindruck (Bild 7, hier noch unlackiert). Ohne Gleis sieht es aber doch etwas nackt aus. 

Hintergründiges

Die Weinert Flexgleise waren bereits bestellt aber noch nicht eingetroffen. Die Wartezeit nutze ich zur Ausgestaltung des Mühlenkomplexes. Mir war aufgefallen, dass der Übergang zum Hintergrund optisch etwas abgemildert werden musste. Jetzt kam ich um die Anschaffung einer Hintergrundkulisse nicht mehr herum. Meiner Meinung nach ist der passende Hintergrund enorm wichtig, eine unpassende Kulisse zerstört jegliche Illusion und entlarvt jede noch so gut gestaltete Anlage gnadenlos als Modell. Leider bietet hier der Markt auch nicht gerade viel, die perfekten Kulissen von JoWi welche für mich aus finanziellen Gründen leider nicht in Frage kommen, einmal ausgenommen. Am geeignetsten erschien mir die Kulisse “Kleinstadt” von Faller, aber auch hier war die Enttäuschung nach dem Auspacken groß. Erstens glänzt das Papier wie eine Speckschwarte und zweitens sind die Pixel des digital erstellten Hintergrunds sehr groß geraten. Versuche haben zum Glück gezeigt dass die groben Pixel auf Digitalfotos, selbst bei Großaufnahme einer einzelnen Preiser Figur vor der Kulisse, nicht auffallen. Auch den Glanz konnte ich mit Mattlack beseitigen. Da ich sowieso nicht vor hatte die Kulisse am Stück zu verwenden, schnitt ich die mir geeignet erscheinenden Stücke mit der Schere aus und klebte sie auf den Wolkenhintergrund. Die deutlich zu sehende Schnittkante wurde mit Acrylfarben nach der Methode Bob Ross bis auf Höhe des Flusses abgemildert. Die Kulisse im Bereich des Flusses wird später durch ein besser geeignetes Stück ersetzt. Auf Bild 4 sind die behandelten und unbehandelten Kulissenkanten gut zu erkennen. Noch nicht zufrieden war ich mit dem rechten Teil der Mühle. Geplant war, den Übergang zum Hintergrund mit Bäumen zu kaschieren, das war mir dann aber doch zu simpel. Nach einigen Experimenten mit Mauern, Zäunen etc. entschied ich mich für ein weiteres Gebäude. Die Wahl fiel auf einen alten ERMO Bausatz aus eigener Produktion, der stark umgebaut die Toreinfahrt des Mühlenkomplexes darstellt. Als Pflasterung des Zufahrtwegs wurde eine Auhagen Mauerplatte zweckentfremdet, die altes Kopfsteinpflaster perfekt nachbildet. Der Metallzaun ist von Busch, die zugehörige Mauer selbst gebaut. Inzwischen waren die endlich eingetroffenen Gleise verlegt und eingeschottert. Nun war es an der Zeit ans Begrünen zu gehen, was ja auch der Jahreszeit entspricht, denn inzwischen ist es Mai 2012 geworden. Der Bereich rechts vom Fluss ist bereits weitgehend fertig, trotzdem möchte ich mit der Beschreibung noch warten bis auch das andere Flussufer fertig gestellt ist. Als Entschädigung fürs Warten gibt es bereits jetzt ein paar Fotos.

Es grünt so grün…

Gras (zum Rauchen ungeeignet)

Wenn es um die Darstellung von hohen Gras geht, haben wir es heutzutage wesentlich leichter als noch vor 20 Jahren. Die damals erhältlichen Grasmatten glichen eher einen Sportplatzrasen als einer Wiese. Die ersten hochfaserigen Grasmatten waren meines Wissens nach die auch heute noch unübertroffenen Matten von Silflor bzw. mini Natur. Was mich persönlich dabei stört, ist das sehr hohe Trägermaterial. Der nächste Schritt zur wuchernden Wiese waren dann Ende der 1990er die Grasmatten von HEKI mit dünneren Trägermaterial, aber nicht ganz aufrecht stehenden Fasern die auch noch sehr schnell ausfallen. Die etwas später erschienenen Matten von Busch sehen dann wiederum etwas zu gleichmäßig aus, dafür sind sie preiswert und gut zu verarbeiten. Neueren Datums sind die Grasmatten von Noch, relativ dünnes Trägervlies, die Fasern sind unregelmäßig aber nicht so wild durcheinander als bei HEKI. In der Ausführung “hellgrün” sind sie für mich das optimale Material zur Darstellung einer noch frischen saftig-grünen Frühlingswiese. Leider sind sie -auf den Quadratmeter umgerechnet- auch die teuersten in diesem Vergleich. Dann gibt es neuerdings noch Matten in zig verschiedenen Ausführungen, bei denen hohe und niedrige Fasern gleichzeitig verwendet werden. Zur Gestaltung eines Kleindioramas sicher spitze, aber bei größeren Flächen wird es erstens optisch zu unruhig und zweitens viel zu teuer. Ebenfalls noch zu erwähnen sind die elektrostatischen Begrasungsgeräte. Ich habe lange überlegt mir so ein Teil anzuschaffen, war dann aber doch zu geizig, was ich hoffentlich nicht irgend wann bereuen werde. Leider bin ich nicht mit Reichtum gesegnet, mein Hobby-Budget ist begrenzt, weswegen jede größere Anschaffung genau überlegt sein will. Meine “Armmut” hat aber den Vorteil, dass ich vieles selbst bauen muss und auch gelernt habe, preiswerte Produkte so weit aufzumöbeln dass sie den hochpreisigen Luxusversionen kaum nachstehen. Bevor ich jetzt noch weiter abschweife oder vor lauter Selbstbeweihräucherung gar abhebe, kehre ich zum Thema zurück mit der Erwähnung, dass dieser Sparzwang auch nach hinten losgehen kann. So geschehen bei den von mir auserkorenen Grasmatten. Bei meiner letzten Anlage “Fürther Fabriken” verwendete ich noch Grasmatten von Noch. Aufgrund der kleinen Grasfläche damals kein nennenswerter Kostenfaktor. Bei meinem aktuellen Projekt sind die Grünflächen aber wesentlich größer. Meine Wahl fiel deshalb auf den “Geländeteppich extra hoch” in dunkelgrün von Busch. Wie die Fotos im letzten Abschnitt zeigen, sieht das Ergebnis durchaus brauchbar aus, nur mit der Farbe war ich dann doch nicht zufrieden. Also fing ich an Versuche zu machen die Wiese mit Farbe nachzubessern. Man soll nicht glauben wie schwierig es ist, eine überzeugend grasgrüne Farbe zu finden. Nach langen Suchen in diversen Geschäften hatte ich drei verschiedene Fläschchen grüne Acrylfarbe als Grundlage ausgewählt. Nach dem Ausprobieren unzähliger Mischungsverhältnisse hatte ich endlich den richtigen Farbton gefunden und flux die Grasflächen eingepinselt. Das Ergebnis war wunderschön anzusehen bis… ja, bis es Abend wurde und ich das Licht eingeschalten musste. Was da zu sehen war, war keine Wiese mehr, sondern ein quietschgrüner Teppich (Bild 1). Natürlich weiß ich dass sich Farben bei Kunstlicht verändern, aber das war dann doch zuviel für mich. Um (endlich) zum Punkt zu kommen: ich habe die Matten entfernt und durch die bewährten Noch-Matten ersetzt. Auf den Fotos unten ist der Unterschied in der Wirkung im Vergleich zu den Fotos bei “Hintergründiges” zwar nicht sehr groß, real betrachtet aber enorm. 

Bäume und Sträucher

Zum Grünzeug zählen nicht nur die Wiesen, sondern auch die Bäume und Sträucher. Letztere bestehen bei mir aus kleinen Stücken HEKI “Blätterflor dunkelgrün”. Im Gegensatz zum klassischen “HEKI-Flor” sind die Blätter keine Schaumstoffflocken, sondern vorbildgerecht flache Schnipsel. Das Grün könnte zwar noch etwas satter sein, aber man kann halt nicht alles haben, gut sieht es jedenfalls aus. Leider hatte ich mal wieder zu wenig eingekauft, es war Sonntag und ich wollte das Anlagenteilstück unbedingt fertig stellen. Die Rettung war der uralte Rest einer HEKI “Wildgras” Matte, die ich aus oben genannten Gründen nicht mehr verwende. Mit Haarlack “extra strong” eingesprüht und Noch Laub “Hellgrün” bestreußelt, ist das Resultat kaum vom “Blätterflor” zu unterscheiden (Bild 2 rechts). Warum das farblich fast identische Material einmal als hellgrün und dann wieder als dunkelgrün bezeichnet wird, ist nur schwer nachzuvollziehen und wird wohl das Geheimnis der beiden Hersteller bleiben. Links im Bild ist ein höherer Strauch zu sehen der fast schon ein Baum ist, womit ich beim nächsten Thema angelangt wäre. Auch meine Bäume baue ich komplett selbst. Ausgangsmaterial ist das bekannte Seemoos (auch Meerschaum genannt), das fast jeder Anbieter von Landschaftsbaumaterial im Programm hat. Besonders günstig bekommt man dieses fantastisch filigrane Zeug im Versandhandel für Architekturbedarf. Für einen riesigen Karton der einen halben Wald hergibt, habe ich vor ein paar Jahren gerade mal 50,- Euro berappt. Aus der riesigen Menge werden die passenden Stücke herausgesucht und falls nötig mit einer Nagelschere zurecht geschnitten. Zum Entfernen eventuell vorhandener Blätterreste ist eine spitze Pinzette besser geeignet als eine Schere. Eingetaucht in verdünnte braune Abtönfarbe sehen sie nach dem Trocknen schon fast aus wie ein richtiger Baum, nur ohne Blätter. Als Laub kommt wieder Noch Laub hellgrün zum Einsatz, und zwar wie folgt: Das Bäumchen wird mit dem bereits erwähnten Haarlack eingesprüht. Anschließend Laub drüber streuen und nochmals einsprühen. Den Vorgang so lange wiederholen bis das Ergebnis überzeugt. Für große Bäume ab etwa 20 cm suche ich mir als Stamm im Wald passende Ästchen, das eigentliche Astwerk ist wieder Seemoos das in vorgebohrte Löcher geklebt wird. Belaubt wird wie oben beschrieben. Eine grundsätzliche Bemerkung zum Thema Belaubungsmaterial möchte ich noch an den Mann bringen: meiner Meinung nach ist es vorteilhaft, sich für eine Art Belaubungsmaterial zu entscheiden, das auf der gesamten Anlage ausschließlich verwendet wird. Ich weiß nicht ob es nur mir so geht, aber werden Bäume mit Blättern aus flachen Laubschnipseln neben welchen aus Schaumstoffflocken aufgestellt, erkennt man auf Fotos sofort dass es sich um ein Modell handelt. Beide Materialien sehen nicht 100%ig echt aus, aber wenn nur ein Fabrikat eingesetzt wird lässt sich das Gehirn anscheinend überlisten. Hier geht es schon wieder sehr ins Psychologische. Ich verwende nur noch flächiges Laub, Schaumstoffflocken verwende ich nur zum Wegtarnen des Trägermaterials der Grasmatten. Ähnlich verhält es sich mit den Farben der Wiesen und Bäume. Natürlich haben in der Natur nicht alle Blätter die gleiche Farbe, die einer Eiche sind dunkler als die einer Weide oder Birke. Trotzdem empfinde ich beim Betrachten einer entsprechend gestalteten Modellbahn diese Farbunterschiede als eher störend. Wahrscheinlich liegt das daran, dass es meiner Meinung nach noch keinen Hersteller von Belaubungsmaterial gelungen ist, Blätter in einem wirklich natürlichen Grün herzustellen. Seit meinen oben erwähnten Versuchen weiß ich aber wie schwer es ist, solch einen Farbton anzumischen. 

Gemüse

Früher konnte man nicht einfach mal schnell in den Discounter um die Ecke gehen um sich mit frischen Gemüse einzudecken. Wer keinen eigenen Garten hatte, musste diese Lebensmittel in der nächsten Stadt auf dem Markt einkaufen. Deshalb hatte fast jeder Bauernhof einen Gemüse- und Kräutergarten. Einen solchen darzustellen ist heute keine Kunst mehr, dem Laser sei Dank sind alle wichtigen Gemüsesorten aus realistisch bedruckten Papier erhältlich. Auch Blumen gibt es zuhauf, sowohl aus Papier als auch aus Plastik. So schön diese Errungenschaften der modernen Technik einzeln betrachtet auch sein mögen, in eine Anlage integriert sehen sie allesamt künstlich und unecht aus. Nach langen Rätseln bin ich mir immer noch nicht sicher woran das liegt. Vermutlich hat es mehrere Gründe: zum einen die unnatürlichen Farben (siehe oben), dann bei Laser-Gemüse die fehlende Plastizität und schließlich bei den Plastikblumen die herstellungsbedingt völlig überdimensionierte Materialstärke. Die Blätter sind dick wie Telefonbücher und die Stiele haben den Durchmesser einer Bohnenstange. Aus dieser Erkenntnis habe ich den Versuch gestartet, einen Gemüsegarten mit ausschließlich traditionellen Materialen zu gestalten. Die Bohnenstangen sind aus dünnen Draht, Erdbeersträucher und Erbsen entstanden aus kleinen Stücken Heki Blätterflor, die Bohnenpflanzen und Kräuter sind aus Schaumstoffflocken (HEKI Laub). Ein zusammengeknülltes etwa 2x2cm großes Stück Alufolie ergibt sehr schöne Salatköpfe, lediglich die Farbe ist mir nicht gelungen und wird bei Gelegenheit erneuert. Objektiv betrachtet ist das Ergebnis nicht gerade realistisch, die einzelnen Gemüsesorten können -den Salat einmal ausgenommen- im Gegensatz zu den oben erwähnten Industrieprodukten nicht eindeutig identifiziert werden. Und trotzdem sieht es subjektiv betrachtet zumindest in meinen Augen um Längen “echter” aus alle käuflichen Produkte. Woran das liegt kann ich auch hier nur spekulieren, vermutlich ist gerade das schemenhaft Vereinfachte die Ursache. Jedes Modell, ob Haus, Lok, Auto oder Baum ist in 1:87 niemals 100% maßstäblich, irgend ein Teil ist immer überdimensioniert oder weggelassen. Gerade die unendliche Formen- und Farbenvielfalt der echten Natur kann niemals auch nur annähernd ins Modell umgesetzt werden. Wie bereits erwähnt, gleicht das Gehirn diesen Detailmangel aus und erzeugt den Eindruck einer mehr oder weniger “echten” Landschaft. Die Kunst besteht wohl darin, die einzelnen Komponenten so miteinander zu kombinieren, dass sie zueinander passen und ein geschlossenes Ganzes “wie aus einem Guss” ergeben. Steht in solch einer stilisierten Landschaft dann am Wegesrand plötzlich eine Gruppe überdimensionierter Blumen, die aber durch die Form der Blätter und Blüten klar als solche erkennbar sind, kommt vom Gehirn sofort eine Fehlermeldung. Deshalb habe ich die Erfahrung gemacht: im Zweifelsfall besser auf solche Gags verzichten. Als Dank für alle die durchgehalten haben ohne einzuschlafen, kommen hier noch ein paar Fotos.

Dorf- und Landstraße

Die Straßen im Nachkriegsdeutschland waren in den 50ern noch nicht flächendeckend asphaltiert. Während die Straßen in den zur Stadt Nürnberg gehörenden Dörfern schon frühzeitig einen festen Belag (meist als Kopfsteinpflaster) erhielten, musste sich die Bevölkerung weiter draußen mit einfachen Sandpisten begnügen. Asphaltiert waren oft nur Bundesstraßen und stark beanspruchte Bereiche wie Bahnübergänge oder ähnliches, selbst die Ortsverbindungsstraßen waren nur eine einfache Schotterpiste. Als Pflaster im Bereich des Bahnübergangs diente mir wieder eine Mauerplatte von Auhagen. Die Übergänge zu den abzweigenden Straßen wurden sorgfältig verspachtelt. Wer nun -wie ich- gedenkt, zur Darstellung einer Sandpiste genügt das einfache Aufstreuen ausgesiebten Sandes, wird spätestens beim Betrachten der hernach gemachten Photographien eines besseren belehret. Selbst allerfeinster Sand entpuppt sich in H0 bestenfalls als Schotter. Zum Glück hatte ich ihn noch nicht dauerhaft befestigt und so konnte er mittels Staubsauger schnell wieder entfernt werden. Die daraus folgende Überlegung war, den Sand einfach nur aufzumalen. Dazu habe ich die Straße nochmals mit Moltofill überzogen und mit angefeuchteten Fingern so weit wie möglich geglättet. Übertreiben braucht man diese Prozedur nicht, Sandstraßen sehen immer etwas mitgenommen aus. Danach wurde die Straße satt mit ockergelber Abtönfarne gestrichen. Um das Erscheinungsbild etwas aufzulockern, streute ich in die noch feuchte Farbe dann doch etwas Sand, das Ergebnis hat mich überzeugt. Etwas anders verhält es sich mit der geschotterten Straße die links nach oben Richtung Kulisse führt. Hier kann feiner weißer Quarzsand deckend aufgestreut und mit Leimwasser befestigt werden. Straßenschotter ist wesentlich grober als Sand und auch hier war ich mit dem Ergebnis zufrieden. Nicht sparen sollte man mit Grünzeug am Wegesrand. Heute im sterilen DIN-Zeitalter kaum mehr vorstellbar, waren die Straßenränder früher regelrecht zugewuchert. Zum Einsatz kamen die bereits im letzten Abschnitt erwähnten Materialien. Analog zu den Straßen waren im Franken der 50er Jahre auch die Höfe meist noch unbefestigt. Gepflastert war oft nur der Bereich der Zufahrten und Eingänge. Obwohl ich sehr gegen die Verwendung von bedruckter Pappe bin, zur Darstellung von steinernen Bodenbelag aller Arten verwende ich sie gerne. Der unnatürliche Glanz ist mit etwas Mattlack schnell beseitigt. Keinesfalls fehlen auf einem Hof mit Viehhaltung darf der obligatorische Misthaufen. Dass sich ein solcher ausgerechnet direkt neben dem Eingang einer Gastwirtschaft befindet, wird heutzutage wohl so manchen hungrigen Wandersmann veranlassen, sich doch besser ein anderes Lokal zu suchen. Aber auch das hat früher anscheinend kaum jemanden gestört. Auf alten Fotos von Landgasthöfen ist diese Situation jedenfalls häufig zu sehen. Wenigstens hat der Wirt die anrüchigen Hinterlassenschaften des Viehs in einer ausgemauerten Grube deponiert. Dadurch läuft die im Dung enthaltene “Brühe” bei Regen wenigstens nicht in kleinen Bächen über den Hof. 3mm Styrodur und eine Umrandung aus Pappe, die Füllung aus Grasfasern und klein gebröselten Tabak genügen um einen Misthaufen in H0 entstehen zu lassen. Was jetzt noch fehlt sind ein paar glückliche Hühner, diese müssen aber wie alle anderen Ausstattungsdetails noch warten.


Planänderung (Denn erstens kommt es anders…)

Nachdem das Dorf nun endlich fertig ist, bin ich mit meiner ursprünglichen Streckenplanung nicht mehr zufrieden. Ursprünglich sollte auf Höhe der Tanke eine ansteigende Stickstrecke abzweigen. Durch sie sollte der linke Anlagenteil mit dem darunter liegenden Schattenbahnhof verbunden werden. Auf Bild 1 habe ich die Situation noch mal dargestellt. Wie oben bereits beschrieben war die Trasse im Rohbau fertig, so richtig glücklich war ich mit der Situation aber nie. Die erforderliche lange Stützmauer erschlägt den Rest der Landschaft komplett. Alle durchprobierten Varianten der Landschaftsgestaltung brachten keine Besserung, die auf Bild 3 zu sehende Burgruine mit Felswand machte es sogar noch schlimmer. Ich entschied mich mal wieder für die radikalste Lösung, der Abriss der Stickstrecke war dann wie eine Befreiung von allen gestalterischen Zwängen. Was blieb, war das Problem der Anbindung des linken Anlagenteils. Auch hier war letztendlich die radikalste Lösung die beste. Der Verzicht auf eine Schattenbahnhofanbindung ist realistisch betrachtet kein Nachteil, weil sowieso immer die selbe Rangierlok zum Einsatz kommt. Für sie und die handvoll Wagen brauche ich keinen Schattenbahnhof. Die Lok parkt irgend wo versteckt unter einer Brücke oder hinter einem Gebäude und kommt angenommener Maßen vom Rangierbahnhof. Auf Bild 2 habe ich das Betriebskonzept schematisch dargestellt: die Wagen werden von A1 auf die Anschlüsse B,C und D verteilt und die abgezogenen Wagen auf A2 zugestellt. Analog erfolgt die Abfuhr der abgezogenen Wagen. Wenn ich einmal Abwechslung im Wagenpark wünsche, werden die Wagen (oder eine andere Lok) eben einfach vor Betriebsbeginn mit der Hand ausgetauscht. Im Prinzip entsteht so eine komplett neue Anlage, was wiederum Vorteile bringt. Zum Beispiel kann ich eine andere Epoche wählen, oder eine komplett andere Gegend, wobei letzteres eher unwahrscheinlich ist. Der Schattenbahnhof des Landschaftsteils ist zwar direkt unter der Rangieranlage, wird mit dieser aber nicht dauerhaft verbunden. So kann ich die Rangieranlage auch mal auf eine Ausstellung mitnehmen. Über die Ausgestaltung und den genauen Gleisverlauf mache ich mir aber erst Gedanken, wenn der Landschaftsteil komplett fertig ist. Und hier wartet noch eine Menge Arbeit auf mich…

Das Relikt

Auch das gab es noch in den 50ern: ein Überbleibsel aus den kürzesten 1000 Jahren der deutschen Geschichte. Es handelt sich um einen Jagdpanzer 38(t) “Hetzer”, der seit Kriegsende darauf wartet endlich den Gang alles alten Eisens gehen zu dürfen. Deutschland war nach dem Krieg übersät mit Kriegsgerät aller Art, vom Panzer bis zur Pistole war alles vertreten. Während die Amerikaner eigene abgeschossene Panzer oft noch während der Kampfhandlungen so schnell wie möglich bargen, blieb deutsches Material erst einmal liegen. Es wurde lediglich dafür gesorgt dass von ihm keine Gefahr mehr ausging. Bei Panzern wurde die Munition entfernt und -falls noch funktionsfähig- die Kanone unbrauchbar gemacht. Nur besonders interessante Objekte verschifften die Amis sofort zur Erprobung nach USA. Als nach dem Krieg das große Aufräumen begann, kam dann endlich auch das deutsche Kriegsgerät an die Reihe. Schrott war wertvoll, und so war es kein Wunder dass bereits 1946 kaum mehr ein solches “Relikt” vorhanden war. Wir schreiben aber bereits das Jahr 1959 und trotzdem steht so ein Ding noch unmittelbar neben dem Bahndamm. Um das zu rechtfertigen, musste mal wieder eine meiner berüchtigten Ausreden her. Ich habe also folgende Geschichte erdichtet: 

 

15.April 1945, das Dritte Reich liegt in den letzten Zügen. Die U.S. Army hat Nürnberg fast erreicht und bereitet sich auf die Eroberung der “Stadt der Reichsparteitage” vor. Auf deutscher Seite stand dieser gewaltigen Streitmacht nur ein bunt zusammen gewürfelter Haufen aus Wehrmacht, Luftwaffe und Volkssturm entgegen. Einer dieser Männer war Unteroffizier Fitz Sommer Jun., der Kommandant des einzigen einsatzfähigen Panzers dieses traurigen Haufens. Er hat den Auftrag, mit seinem Jagdpanzer und einem Zug Volkssturm die strategisch wichtige Höhe oberhalb von Großmöpsach um jeden Preis zu halten. Fritz war zwar erst seit gut einem Jahr Soldat, aber mit der Vorgehensweise der Amerikaner bestens vertraut: Ortschaften die sich ergeben werden geschont, aber beim kleinsten Widerstand so mit Artillerie und Jagdbombern beharkt, dass kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Die Erfüllung seines Auftrags würde den sicheren Tod von ihm und seinen Männern bedeuten, denn mit dem Fluss im Rücken konnte er sich diesmal nicht wie so oft zuvor im letzten Moment zurückziehen. Aber das war nicht seine einzige Sorge. Fritz war gebürtiger Großmöpsacher und der Sohn des Waidloch-Müllers. In der Mühle befanden sich nicht nur seine Eltern, sondern auch seine Frau und sein kleiner Sohn. Deren Leben werde er auf keinen Fall aus Spiel setzen! Er entschloss sich also nicht auf dem Hügel Stellung zu beziehen, sondern mitsamt Panzer und Volkssturm direkt in die auf einer Pegnitzinsel gelegene Mühle zu fahren und dort kampflos den Einmarsch der Amerikaner abzuwarten. Vorher teilte er den Männern seinen Plan mit. Seiner Panzerbesatzung konnte er vertrauen und die Volkssturmmänner kannte er als Einheimischer ebenfalls recht gut. Stramme Nazis waren keine darunter, die hatten anstatt mit der Waffe in der Hand für Führer, Volk und Vaterland zu kämpfen, sich über Nacht in harmlose Zivilisten verwandelt. Fritz hatte vor, es ihnen gleich zu tun und jeder der anwesenden Männer war froh darüber, auf diese Weiße Haut und Hof zu retten. Ungefährlich war der Plan nicht, ein einziger Denunziant hätte genügt um sie alle vor ein Standgericht zu bringen, doch Fritz war sich sicher dass alle dicht halten würden. Als sie gegen Mitternacht auf dem Mühlhof eintrafen, war sein Vater sehr erleichtert als er seinen Sohn erblickte, denn das Gerücht ging um dass sich unter den Verteidigern auch einige Waffen-SS Einheiten befanden, und mit denen zusammen wollte zu diesem Zeitpunkt keiner mehr den Amerikanern in die Hände fallen. Fritz Sommer Senior war sofort begeistert vom Plan seines Sohnes, der allerdings einen Haken hatte: wohin mit dem verdammten Panzer? Sie entschlossen sich, das Ding unterhalb des Mühlwehres in der Pegnitz zu versenken, der Fluss war an dieser Stelle mehrere Meter tief. Doch wie es der Teufel will, blieb der Panzer im dichten Unterholz stecken. Eile war geboten, denn der Morgen graute schon und in der Ferne waren bereits die Amerikanischen Panzer zu hören. In aller Eile wurden Waffen und Munition im Fluss versenkt und die Kampfwagenkanone mit einer Sprengladung unbrauchbar gemacht. Dann noch schnell das Fahrzeug mit Ästen und Gestrüpp abgetarnt und in Zivilklamotten geschlüpft. Diese letzte Arbeit mussten Fritz und sein Vater alleine erledigen, seine Besatzung hatte er schon Stunden zuvor eigenmächtig aus der Wehrmacht entlassen und die Volkssturmmänner waren längst wieder bei ihren Frauen im Bett. So geriet der im Gebüsch versteckte Panzer langsam in Vergessenheit, denn jeder im Dorf wähnte ihn auf dem Grund des Flusses. Halt, ganz vergessen wurde er nicht. Als im Winter 1946 die Turbinenanlage der Mühle durch starken Eisgang keinen Strom liefern konnte, entsann sich der Müller des alten Panzers, der doch einen Motor hat. Seit dem hat der Panzermotor eine sinnvollere Aufgabe als früher erhalten, er treibt das Notstromaggregat der Mühle an wenn die Turbine einmal nicht arbeitet. In der Folgezeit wanderte noch so manches brauchbare Teil auf wundersame Weiße des Nachts in die Mühle und der Panzer wurde immer nackter. Erst als es nicht mehr gab was mitzunehmen sich lohnte, hatte er seine Ruhe. Der Dornröschenschlaf des Hetzers endete am 16. April 1959 nach genau 14 Jahren. Bei Wartungsarbeiten an der Eisenbahnbrücke verspürte ein Arbeiter ein dringendes Bedürfnis und bemerkte als er sich zur Erledigung seines Geschäfts ins Gebüsch verzog einen seltsam überwucherten Hügel. Neugierig wie er war ging er der Sache auf den Grund und entdeckte es, das Relikt. Die benachrichtigten Behörden reagierten wie immer schnell und schon vier Wochen später waren die Bäume um den Panzer gefällt und abtransportiert. Wie lange es dann noch gedauert hat, bis er endlich seinen letzten Gang antreten konnte, daran kann sich heute keiner mehr erinnern.

Und nun ein kleiner Baubericht. Ich spare mir jetzt mal das übliche “..und dann habe ich die obere Hälfte der ersten Laufrolle auf die untere Hälfte geklebt etc.”. Wie man ein Militärmodell baut, liest man in den entsprechenden Fachzeitschriften oft genug. Als erstes möchte ich die Frage klären, warum ich gerade einen Hetzer haben wollte, denn Zufall war das nicht. Also, erstens weil er klein ist und sich somit gut verstecken lässt. Bei einem Jagdtiger wäre das schon schwieriger. Zweitens weil dieser Panzer gegen Kriegsende noch relativ häufig eingesetzt wurde, und zwar nicht in den prominenten Panzerdivisionen sondern bevorzugt in unabhängigen oft hastig aufgestellten Panzerjägerkompanien. Allein zwischen dem 19.2. und 31.3.1945 wurden an das für Süddeutschland zuständige Heeres-Panzerzeugamt in Grafenwöhr von den Fabriken in Pilsen und Prag etwa 200 Hetzer geliefert. Schließlich drittens, weil es ihn nicht als Großserien - Fertigmodell gibt. Das hat mich am meisten gereizt. Einfach einen fertig gekauften ROCO-Minitank aufstellen wollte ich nicht. Die technischen Daten spare ich mir jetzt auch, wer es genau wissen will kann ja im Web recherchieren.Der von United Fun angebotene Bausatz besteht aus sehr sauber gegossenen Resinteilen und war schnell montiert, die oben erwähnten Blechteile und den Motor habe ich weggelassen. Die Grundfarbe der deutschen Panzer war ab November 1944 Olivgrün RAL6003, auf diesen Grundanstrich wurden die Tarnflecken in Schokoladenbraun RAL8017 und “Dunkelgelb nach Muster” angebracht. Letztere Farbe hat keine RAL Nummer und unterscheidet sich vom nur kurze Zeit verwendeten Dunkelgelb RAL7028. Diese Farbtöne führen mehrere Hersteller im Programm, ich wollte mir aber wegen den paar benötigten Tropfen nicht extra welche bestellen. Zum Glück hatte ich noch die entsprechenden Farbmusterkarten vom RAL Institut und konnte mir die Farben aus diversen Revell und Model Masters Farbdöschen anmischen. Wegen des Scale Effekts habe ich die Farbtöne etwas heller angemischt. Vor der Einführung von Olivgrün als Grundfarbe wurden die Fahrzeuge von den Fabriken im oben erwähnten Dunkelgelb abgeliefert, der Tarnanstrich wurde erst später durch die Truppe oder die Zeugämter mittels kompressorbetriebenen Spritzgerät aufgetragen. Nachdem die olivgrüne Grundfarbe angeordnet wurde, gingen die Fabriken aber dazu über, die Panzer bereits ab Werk mit einem Tarnanstrich zu versehen. Dieser Anstrich wurde zwar auch aufgespritzt, hatte aber vermutlich wegen der Verwendung von Schablonen scharfe Trennkanten. Für mich ergab sich hier der Vorteil, auf eine aufwändige Airbrushlackierung verzichten zu können. Ich setze den Airbrush nur noch äußerst selten und wenn dann nur sehr ungern ein, der giftige Spritznebel und das aufwändige Reinigen nervt mich extrem. Auf den grünen Grundanstrich pinselte ich die gelben und braunen Tarnflecken gemäß dem 1945 von Skoda in Pilsen verwendeten Tarnmuster auf. Die Ketten bemalte ich in einem dunklen Rostbraun. Danach erhielt das Modell eine Lasur aus Spiritus mit einigen Tropfen Schwarz von Revell Aqua Color. Spiritus hat den Vorteil sehr schnell zu trocknen, außerdem greift er die Grundfarbe nicht an. Ich habe bewusst Enamel Lack statt Acrylfarben für den Grundanstrich benutzt, von letzteren wäre nach dem Spiritusbad wohl nicht mehr viel übrig geblieben. Nach dem Trocknen rieb ich das Modell mit einem in Spiritus getränkten fusselfreien Lappen ab, die schwarze Farbe ist jetzt nur noch in den Vertiefungen vorhanden. Dann wurden die Ketten und der farblich unbehandelte Motorinnenraum satt mit hellrostroter Lasurfarbe (“Light Rust” von AK) eingepinselt. Als letzten Alterungsschritt wurde das Modell komplett aber sparsam mit Acrylfarbe “Terrakotta” graniert. Bleiben nur noch die Außenflächen der Laufrollen. Diese erhielten einen dunkelgrauen Anstrich, denn beim Originalfahrzeug sind sie aus Gummi -und der rostet nicht. Eigentlich fehlen noch die typischen Balkenkreuze und taktischen Zeichen. Ich hatte aber gerade keine passenden Decals zur Hand, deshalb habe ich sie einfach weg gelassen. Das ist durchaus nicht vorbildwidrig, denn auf vielen Fotos von zerstörten oder erbeuteten Hetzern sind ebenfalls keine zu sehen. Vermutlich hatte kurz vor Kriegsende niemand mehr Zeit für solche Malerarbeiten. Aufmerksame Beobachter werden beim Betrachten der Bilder wohl einwenden, dass der Panzer eigentlich viel zu neu aussieht, sie haben wohl einen völlig verrosteten Schrotthaufen erwartet. Auch ich bin zuerst dieser Vorstellung erlegen und wollte einen solchen nachbauen. Beim Recherchieren in meinem Literaturfundus und im Netz stieß ich aber immer wieder auf Bilder von Panzerwracks die zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits 50-60 Jahre auf dem Buckel hatten. Bei nicht wenigen ist die Grundfarbe noch zu über 50% erhalten. Völlig verrostet waren eigentlich nur Fahrzeuge die im Wasser lagen oder ausgebrannt waren. Mein Hetzer war aber erst 14 Jahre alt und wurde in meiner Story praktisch als Neufahrzeug einfach abgestellt. Da ist die weitgehende Erhaltung der Lackierung eher wahrscheinlich. Ein 14 Jahre altes Auto das immer unter der Laterne geparkt wurde, ist schließlich auch kein brauner Rosthaufen. Vielleicht werde ich aber wenn alles fertig ist und ich nichts besseres zu tun habe noch ein zweites Panzermodell bauen, dann aber richtig kaputt und verrostet. Eine passende Story wird mir dann schon einfallen.

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